Polizei Geschichte

Wie hat sich die deutsche Polizei geschichtlich entwickelt?

 

 

 

Franzosenherrschaft (1794-1871)

Der Begriff „Polizei“ wurde vom griechischen Wort „ Polis“ abgeleitet. „Polis“ war der Stadtstaat, ihre Bewohner die „Politen“ und die dazugehörige Verfassung nannte sich „ Politeia“. Der Begriff „Polizei“ geht auf die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts zurück, wobei man dabei von Frankreich stark beeinflusst wurde. Alleine die Franzosenherrschaft von 1794-1871 beeinflusste die Organisation und Verwaltung der Polizei beträchtlich. Der Grund waren die Unruhen in Frankreich, die durch die Spannungen der Monarchie des Absolutismus und den nach sozialer und politischer Emanzipation strebendem Bürgertum in der Französischen Revolution ( 1789-1799) gipfelte. Der französische Verwaltungsstaat, der auch Polizeistaat genannt wird, war berechtigt, im Interesse der Öffentlichen Ordnung in die Privatsphäre der Bürger einzugreifen. Vertreter von naturrechtlicher und liberaler Weltanschauung kritisierten scharf diese Reglementierungen. Im Laufe der Revolutionskriege wurde auch das Rheinland besetzt. Durch die Besetzung war die Umgestaltung der städtischen Verwaltung einschließlich der Polizei unvermeidbar. In der Stadt Köln wurde z.B. im Jahre 1796 der seit vierhundert Jahren bestehende Rat beseitigt, was die mittelalterliche Stadtverfassung auflöste. Vor der Franzosenherrschaft herrschte ein Kampf um die Polizeihoheit zwischen den Städten und den Landesfürsten und die Geschichte der polizeilichen Wurzeln läßt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Schon im 13. Jahrhundert gab es sogenannte „reitende Knechte“ die Sicherheitsaufgaben übernahmen, indem sie Räuberbanden vom Überfall auf Dörfer abhielten. Weiter gab es den „wehrhaften Hausmann“, der neben seiner Arbeit im Handwerk im Sicherheitsdienst tätig war. Schließlich entwickelte sich aus den freiwilligen Bediensteten um 1600 die Amtsschützen, welche die Öffentliche Ordnung sicher zu stellen hatten. In mittleren Städten gab es schon früh Amtsträger mit Polizeiaufgaben, die sogenannte Ortspolizei. In kleineren Städten verwaltete ein Bürgermeister mit Unterstützung von einem Inspektor und 2-3 Polizeidienern, welche auch „Büttel“ genannte wurden. Polizeidiener erhielten eine schlechte Besoldung und aufgrund ihrer Bestechlichkeit hatten sie ein geringes gesellschaftliches Ansehen. In besonders großen Städten gab königliche Polizeiverwaltungen, welche über den Verwaltungsorganen standen.

 

Gründung von Deutschland ( 1871)

Erst mit Gründung des „Deutschen Reiches“ im Jahre 1871 durch „Otto von Bismarck“ konnten gezielte Strukturen geschaffen werden, indem der Norddeutsche Bund und süddeutsche Städte unter Führung von Preußen unter Ausschluss von Österreich ein Kaiserreich bildeten. Einst der Ziele des „Deutschen Reiches“ war es neben der Trennung von Verwaltung und Justiz, die Bürger gegenüber Handlungen der Polizei zu schützen. So stand es Bürgern offen, am Verwaltungsgerichtshof zuklagen. Wo es diese Möglichkeit nicht gab, wurden Strafgerichte eingeführt, die rechtswidriges polizeiliches Eingreifen genau prüfen sollten.

 

Das 20. Jahrhundert

Ab dem 20. Jahrhundert wurden erste „Polizeiassistentinnen“ eingestellt, welche fürsorgerische Tätigkeiten wie z.B. Fälle von Kindesmisshandlung nachgingen. Dieses weibliche Personal wurde aber nicht als Polizeibeamte bezeichnet, da sie rechtlich keinen polizeilichen Tätigkeiten nachgingen. Erst im Jahre 1923 wurde in der Stadt Köln die erste uniformierte Streifenpolizisten eingestellt, welche aber weiterhin nur „Wohlfahrtsaufgaben“ übernahm. Feministinnen waren übrigens gegen weibliche Polizeibedienstete, da eine Beteiligung an der „Staatsgewalt“ als nicht weiblich galt. Einen weiteren Wendepunkt stellte das Ende des 1. Weltkrieges dar. Das „Deutsche Reich“ wurde in der „Weimarer Nationalversammlung“ unter der Schaffung der Verfassung als „ Weimarer Republik“ bezeichnet. Es entstand damit eine junge Demokratie, die pflichtbewusste Polizeibeamte ausbildete und die ihren Dienst im Sinne der Bevölkerung verrichtete. Die „Königliche Schutzmannschaft“, gegründet 1848, bestritt tapfer ihren Dienst, doch die politischen und gesellschaftlichen Unruhen waren nur schwer in den Griff zu bekommen. Neben der Kriminalität, zeichneten viele Putsche und Aufstände antidemokratischer Vereinigungen dafür verantwortlich, dass die Polizeitruppe der Weimarer Republik nicht mehr Herr der Lage werden konnte. Genannt sei hier insbesondere der Kapp-Lüttwitz-Putsch (Kapp-Putsch). Dieser Putsch forderte 200 Menschenleben, zwang zur Flucht der Reichsregierung aus Berlin und brachte das Deutsche Reich an den Rand eines Bürgerkrieges. Die meisten Putschisten waren ehemalige und auch aktive Angehörige der Reichswehr, die sich zum Ziel gesetzt hatten, die Forderungen des „Versailler Vertrages ( 1920), wie Umbau der Reichswehr auf 100000 Mann, Abschaffung der freiwilligen Wehrverbände, Auslieferung von Kriegsverbrechern und Beginn der Reparationszahlungen, zu bekämpfen. Die Folge war, dass die Polizei in Deutschland neu organisiert werden musste. Dafür wurde die „Sicherheitspolizei“ gegründet, die stark bewaffnet war und einer kleinen Armee ähnelte. Genau aus diesem Grund, sahen sich die Alliierten gezwungen, die Auflösung dieser Polizeitruppe zu befehlen. Schließlich wurde am 04.10.1920 die Neugründung der Schutzpolizei ( kurz: Schupo) vom preußischen Ministerium des Inneren unter Vorgabe der Alliierten verkündet. Die Schutzpolizei rekrutierte vorwiegend Zivilisten und militärische Dienstgrade wurden in polizeiliche Dienstgrade umgewandelt. Die einsetzende Weltwirtschaftskrise im Jahre 1929 führte zum volkswirtschaftlichen Zusammenbruch der Industrienationen. Neben den Reparationsforderungen hatte das Deutsche Reich unter Reichskanzler „Heinrich Brüning“ mit hoher Arbeitslosigkeit, Deflation und einem Defizit von 1,5 Milliarden Reichsmark zu kämpfen. Reichskanzler „Brüning“, der kurz vor der Pension stand, versuchte der Katastrohe, letztendlich vergebens, mit Abschnitten bei den Sozialleistungen zu entgehen. Im Zuge der Sparmaßnahmen wurden die öffentlichen Gehälter um 25 % gekürzt und die Arbeitslosen- u. Sozialhilfe extrem gekürzt. Ganze 16,3 % also über 6 Millionen Einwohner der Gesamtbevölkerung waren arbeitslos und nur 12 Millionen Bürger standen in Arbeit. Trotz der Unruhen und Krawalle wurde versucht, der Polizei in den Medien ein gutes Image zu verschaffen. Dies dauerte so lange, bis Adolf Hitler 1933 die Macht in Deutschland ergriff, was alsbald den 2. Weltkrieg auslöste. Die Polizei ließ sich freiwillig gleichschalten und nahm an Massenerschießungen teil, damit war der Siegeszug der Nationalsozialisten nicht mehr aufzuhalten. Die ganze Polizei wurde neu strukturiert. Mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ war es möglich. Nicht gewollte Beamte zu entlassen. Dazu zählten alle Menschen, die als Feind im Sinne des Nationalsozialismus galten, allen voran die Juden. Viele freigewordenen Stellen wurden durch Mitglieder der NSDAP ersetzt. Adolf Hitler ernannte 1936 den Reichsführer der SS Heinrich Himmler zum Chef der Polizei. H. Himmler teilte die Polizei in 2 Hauptämter auf: Die Ordnungspolizei und die Sicherheitspolizei, dem auch die Kriminalpolizei unterstand. Selbst die Namen von Polizeireiterstaffeln wurden in Namen vom arischen Ursprungs umgetauft. Da Versammlungen verboten wurden, hatte man bis zur Propagandabeginn keinen Einsatz von Reiterstaffeln vorgesehen.

 

Die Nachkriegszeit

Nach dem 2. Weltkrieg wurde Deutschland in 4 Besatzungszonen aufgeteilt. Die Nachkriegszeit bedeute eine große Armut in der Bevölkerung. Fast 4,3 Millionen Männer waren gefallen, waren blind und zerstümmelt oder befanden sich in Kriegsgefangenschaft ( die letzen wurden erst 1955 entlassen). Viele Menschen bekamen keine Ausbildung oder eben nur eine sehr rudimentäre. Weil es einen starken Bedarf an Polizisten gab, wurden provisorische Polizeischulen in der Nachkriegszeit errichtet. Deutsche Polizisten erhielten einen 2 Monate dauernden Schnellkurs und traten ihren Dienst an. Viele Polizisten arbeiteten aufgrund des Materialmangels in zivil. Lediglich selbst bebastelte Armbinden machten die Polizei für die Bevölkerung kenntlich. In der britischen Besatzungszone wurden umgefärbte blaue Uniformen für den Polizeidienst benutzt. Der „Tschako“, eine Kopfbedeckung die 1920 von der Schutzpolizei getragen wurde, wurde nachdem das Hakenkreuz herausgebrochen wurde, weiter eingesetzt. Das Erscheinungsbild der Polizei von heute hat sich gewandelt. Die bekannte grüne Uniform für Polizisten wurde vom Modeschöpfer „Heinz Oestergaard ( 1916-2003) entwickelt. Die bundeseinheitlich grüne Dienstbekleidung mit brauner Hose, bambusfarbenen Hemd, Jacke und Kopfbedeckung wurde 1974 auf der Innenministerkonferenz beschlossen und 1976 eingeführt. Im Zuge der europäischen Vereinheitlichung ( EU-Länder tragen vorwiegend blau) werden die Uniformen von Grün ins Blaue versetzt. Frankreich, Deutschland und Italien hatten sich auf EU-Konferenzen für blau ausgesprochen, wobei England für rotorange Farbtöne plädierte. Damit ist auch eine farbliche Umgestaltung aller Polizeiwagen vorgesehen.

 


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