Wer hat die schnelleren Polizei-Autos? USA u. Deutschland in der Gegenüberstellung.
Die Entstehung des Personenwagens war der Pionierleistung des deutschen Ingenieurs Nikolaus Otto zu verdanken. Im Jahre 1876 entwickelte er den Verbrennungsmotor und dies sollte die Welt verändern. Erst die Massenproduktion in den USA trieb die Entwicklungen des Automobils voran. Die amerikanische Firma Olds produzierte 1904 , 100 Autos pro Woche. Als der Amerikaner Henry Ford 1908 eine Fertigungsstraße für die Produktion seines Model T einsetzte, wurde die Massenproduktion der Autos immer effektiver.
Wie das typische amerikanische Polizeifahrzeug aussieht dürfte nach den erfolgreichen US-Polizeiserien im deutschen Fernsehen allseits bekannt sein. Wir betrachten zunächst die Funktion der Wagen unter Berücksichtigung der polizeilichen Aufgaben. Danach werden 2 ausgewählte Fahrzeuge amerikanischer und deutscher Polizisten gegenübergestellt um die Fragestellung zu klären. Erschwerend ist bei der Gegenüberstellung die Tatsache, dass es eine sehr große Zahl von Polizeifahrzeugen gibt und die verschiedensten Typen wie Funkstreifenwagen, Motorräder, Mannschaftswagen/ Transporter , Einsatzwagen und Sonderfahrzeuge für den individuellen Einsatz benötigt werden. Wir konzentrieren uns bei unserer Betrachtung ausschließlich auf die Funkstreifenwagen.
Fest steht auch, dass hier nur eine Momentanaufnahme gemacht werden kann. Die Technik schreitet so rasant voran, dass morgen schon wieder neue Fahrzeuge im praktischen Einsatz sind.
Im Vordergrund steht immer der Polizeieinsatz. Es kommt eigentlich weniger auf die PS Zahl an, sondern wie gut ein Polizist mit dem Wagen umgehen kann. Ist zum Beispiel ein Bankräuber mit einem Fluchtwagen unterwegs, der mehr Leistung hat als das verfolgende Polizeifahrzeug, kann ein gutes Handling des Autos viel wettmachen und außerdem können per Funk Nagelbretter oder Straßensperren aufgestellt werden. Viel PS müssen nicht unbedingt ein Vorteil sein, denn hohe Geschwindigkeiten führen eher zu Unfällen. Wenn ein Polizist nicht mit einem schellen Wagen umgehen kann, dann fliegt dieser womöglich leicht aus einer Kurve und versagt, wenn das Auto am ausbrechen ist. Denn je höher die Geschwindigkeit ist, desto größer werden auch die auftretenden Fliehkräfte. Und so kann man gerade in engen Kurven sehr schnell nach außen gedrängt werden .
Für die meisten Menschen, vor allem den Zivilisten ist das Auto eine wunderbare Errungenschaft. Bequem kann die ganze Familie im Urlaub schnell große Wege zurücklegen und es schwer beladen mit Koffern, Fahrrädern, Dakine Rucksäcken und vieles mehr. Das Auto wird also vorwiegend als Transportmittel verstanden.
Bei Polizisten ist dies anders: Natürlich wird der Polizeiwagen vorwiegend als Transportmittel genutzt, um schnell nach Orte zu gelangen, die einen Polizeieinsatz erfordern und um flüchtige Verbrecher zu verfolgen oder festgenommene Kriminelle ins Gefängnis/Revier zu fahren.. Das Auto bietet aber auch Schutz. Eine genannte Polizeitaktik ist es zum Beispiel nie vor einem haltenden Wagen zum Stillstand zu kommen, sondern das Fahrzeug wird immer hinter einem verdächtigen Fahrzeug zum Stillstand gebracht. Der Zweck: Wenn man hinter dem Wagen hält, und die eigene Fahrertür öffnet, dann bietet sie zugleich auch Schutz. Wohingegen man ziemlich auf dem Präsentierteller stehen würde, stiege man aus dem Polizeiwagen und hätte hinter sich einen Wagen mit z.B. einem Geiselnehmer.
Außerdem kann das Polizeiauto auch eine Waffe sein, die genutzt wird, um andere Wagen von kriminellen Flüchtigen abzudrängen oder zum Stillstand zu zwingen.
Schließlich dient der Streifendienst als Präventionsmaßnahme, der potenzielle Straftäter abschrecken soll. Viele Straftaten werden nämlich verhindert allein durch das Vorhandensein von Polizeiwagen im Verkehr.
Der wichtigste Industriezweig der Amerikaner ist die Automobilindustrie. Die US Polizei nutzt sehr gerne, wenn nicht ausschliesslich amerikanische Automarken. Besonders begehrt war der Ford Crown, der auch von Taxigesellschaften in den USA genutzt wird. Normalerweise wird der Ford Crown von einem Achtzylinder-Motor angetrieben und hat je nach Modellvariante 224 und 239 PS. Für die Zwecke der Polizei wurden aber Sonderausführungen mit erheblich höherer Leistung eingesetzt. Aus taktischen Gründen werden aber genaue Daten verschwiegen, doch ist oft bei Verfolgungsjagden zu erkennen, dass US-Polizeistreifenwagen andere Wagen innerhalb von kürzester Zeit einholen können.
Umgestiegen ist die US Polizei heute auf Wagen der Firmen SUV und Dodge Charger. Dennoch möchte ich den berühmt berüchtigten „Ford Crown Viktoria Police Intercepter „ hier vorstellen. Dieser Wagen ist extrem verbreitet in ganz Nord Amerika, sei es bei Police Departements oder auch bei Taxi-Gesellschaften. Eigentlich wird der Intercepter nicht an die zivile Bevölkerung verkauft. Doch kommt es stets vor, dass wenn gesetzesmäßig alle polizeispezifischen Sonderheiten wie Polizei-Aufkleber, Funk- und Computersystem und Alarm-Sirenen vom Wagen befreit wurden, dass der Intercepter versteigert wird. Es ist erstaunlich, wie extrem die amerikanischen Streifenwagen für die Zwecke der Polizei modifiziert wurden. Selbst US-Polizei Fans und Kritiker sind noch heute der Meinung, dass die Wagen ein spezielles Motortuning erhalten. Doch dies wird von der US Polizei nicht bestätigt und als Gerücht abgetan. Alle Police Intercepter haben einen V8-Motor, genauso wie die zivilen Wagen. Bekannt sind lediglich sogenannte „ Police-Package“, die die Wagen für die „Heavy Duty “ (strapazierfähig) rüsten und doch leistungsfähiger trimmen. Im Jahre 2003 erhielten die Streifenwagen moderne Seiten-Airbags und die Antenne war nicht mehr extern abgebracht, sondern in der Heckscheibe eingearbeitet. Die meisten Police Intercepter sind für 260 PS ( 186 kW) ausgebaut. Neben vielen Neuerungen wurden der Drehzahlmesser verbessert und eine digitale Kilometeranzeige implementiert. Die Türen wurden mit Kevlar bestückt, welches eine Art Panzerung darstellt und in gefährlichen Schusswechseln Leben retten kann. Der Intercepter ist tatsächlich schneller wie ein ziviler Ford Crown, der Grund dafür ist das Vorhandensein von speziellen Drehzahl- und Geschwindigkeitsreglern. Außerdem benutzen die US-Streifenwagen einen strapazierfähigen Stoßdämpfer, der insgesamt eine stabilere Fahrt ermöglicht. Die Stoßdämpfer der Wagen sorgen dafür, dass die Wagenreifen beim Durchfahren von Kurven und bei starkem Bremsen auf der Straße haften. Ferner sind interne Bauteile wie Hinterachsdifferenzial und Getriebewelle aus leichten Materialen wie Aluminium gefertigt. Die Rahmen des Streifenwagens ist verstärkt um die hohen Anforderungen des polizeilichen Alltags zu entsprechen. Das Hinterteil des Wagens wird geschmückt von 2 rostfreien voll-stählernden Auspuffrohren. Zum Vergleich: Zivile Wagen haben nur ein Auspuffrohr. Intelligente Auspuffsysteme können die Füllung der Brennräume erhöhen, was einen positiven Effekt auf die Leistungs- und Kraftentfaltung des Wagens hat. Die Federung der US-Streifenwagen ist steif ausgebaut, was dazu führt, dass die Wagen höher liegen als die zivilen Pendants. Beim Ausbau hat man sich an Sportwagen orientiert, die ebenfalls einen kurzen Federweg und eine steife Federung haben. Hier wurde zugunsten der Leistung auf Fahrkomfort verzichtet, da ein hoher Federweg viele Fahrbahnunebenheiten korrigieren könnte. Der Police Intercepter hat einen 200 Ampere Generator und eine 78 Ampere-starke Batterie.
Die Gangschaltung der Streifenwagen befindet sich meist an der Lenksäule. Die Lücke, die so zwischen den Sitzen entsteht, wird für das Ablegen von z.B. einem Laptop ( Mobile Data terminal -MDT) benutzt. Schließlich wurde auf höchste Sicherheit in den Wagen geachtet: Ein automatisches Feuerbekämpfungs-System wurde 2005 eingerichtet und ein „Kofferraum-Package“ sorgt dafür, dass bei Unfällen Gegenstände im Kofferraum keine Chance haben, den Benzintank zu durchbohren. Insgesamt gibt es sehr viele bauliche Besonderheiten , die aus genialen Ideen erwachsen sind und die US Polizei so stark machen, wie sie ist. Sein es so kleine Dinge wie, das Vorhandensein von Schaltern für verschiedene Sirenen-Klänge oder so technisch raffinierte Neuerungen, wie das automatische Abschalten der Klimaanlage bei hohen Geschwindigkeiten um die Motorleistung zu erhöhen.
Weiter wurden auch die Rücksitze bei Polizeiwagen durch Plastik-Bänke ersetzt. Abgesehen davon, dass die Sitze besser zu reinigen sind, verhindern sie auch ein Verstecken von Waffen oder Drogen von Kriminellen, die immer auf der Rückbank sitzen. Dazu wurden Türgriffe und Fensterheber im hinteren Teil der Wagen entfernt, um eine Flucht zu verhindern. Zugriff auf die Türschlösser hat vernünftigerweise nur der Fahrer, also der am Steuer sitzende Polizist. Polizisten und Kriminelle, die hinten im Wagen sitzen, sind durch eine Schutzwand mit Plexiglas-Sichtfenster getrennt. Da Verbecher allerdings oft beleidigend werden, ist das Schutzfenster meistens geschlossen. In den meisten Polizeiwagen gibt es ein visuell unauffälliges, aber vom praktischen Nutzen her großes Gimmick. Das sogenannte „ Alley-Light“, welches sich unter der Polizei-Sirene, seitlich am Wagen befindet. Dieser Mini-Scheinwerfer, ermöglicht das Ausleuchten des Fußgängerweges bei einer Fahndung. Dabei ist die Idee durch seitliches Leuchten, einen Flüchtigen in z.B. einem Strauch oder Gebüsch ausfindig zu machen, in Deutschland nicht neu. Im Jahre 1992 wurde ein Polizeireiter namens Wilfried Clever vom Innenministerium für seine Erfindung ausgezeichnet. Er erfand eine Lampen-Konstruktion, die unter dem Steigbügel seines Pferdes angebracht wurde. Dabei strahlte das Gerät nach vorne und gleichzeitig nach hinten. Durch Ausnutzung der Mobilität des Pferdes, konnte man durch Drehung einen Bereich von 360 Grad mit dieser genialen Polizei Taschenlampe ausleuchten. Das „ Alley-Light“ wäre für deutsche Polizeifahrzeuge eine willkommene Sache. Weiter erwähnenswert erscheint die Tatsache, dass die meisten Polizei „Cruiser“ eine „12-gauge-Shotgun“ mitführen. Die Shotgun befindet sich fast direkt über dem Polizisten in einer Sicherungshalterung. Der fahrende Polizist kann einen versteckten Knopf mit Zeitverzögerung tätigen und die Waffe so ohne hinzuschauen mit einer Hand ergreifen. Tausende US-Polizisten sind mit der Shotgun, welche sich kaum von einer gewöhnlichen Version unterscheidet, ausgestattet. Obwohl manchmal auch die in Deutschland verbotene Version mit Pistolengriff geführt wird. Bei Nachteinsätzen kann die Shotgun mit einer Taschenlampe bestückt werden. In Deutschland ist im Beifahrerbereich eine Maschinenpistole ( MP) versteckt, an die man für gewöhnlich, besonders während der Fahrt, sehr schlecht rankommt. Einen Nachteil hat es aber, wenn ein Wagen zu schnell ist: Man muss öfters neue Reifen kaufen.
Die deutschen Polizeifahrzeuge sind leider nicht so extrem modifiziert wie die amerikanischen Konterparts.
Wenn man Deutschland betrachtet im Blickwinkel der Innovationen der Polizeifahrzeuge, dann sticht ein Bundesland aber besonders hervor: Nordrhein-Westfalen. So hat die Landesregierung um die 9 Millionen Euro in die Erneuerung von ca. 2000 Streifenwagen ihrer Polizei investiert. Ebenfalls wird das Leasingverfahren genutzt , nach zahlreichen Testdurchläufen entsprechen die Wagen allen Bedürfnissen nach Schnelligkeit, Zuverlässigkeit und Sparsamkeit. Die nordrhein-westfälische Polizei benutzt den Volkswagen ( VW) Passat TDI welcher eine herausragende Ausstattung bietet: Automatikgetriebe, Klimaautomatik, Antischlupfregelung , Bremsassistent und Parkpilot Dieselmotoren mit 130 PS sorgen für Schnelligkeit: So beschleunigt der Passat in 9,9 Sekunden auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 196 km/. Der Clou ist die Einführung eines modernen Video-Eigensicherungs-System in den Streifenwagen, die Fahrzeugkontrollen aufzeichnen und die Daten auf einem im Wagen eingebetteten PC mit 2 Gigabyte Festplatte speichert. Da in Deutschland ein sehr strenges Datenschutzgesetz herrscht, und die Polizei nicht die Persönlichkeitsrechte der Bürger verletzen will, müssen die aufgezeichneten Bilddaten innerhalb von 24 Stunden wieder gelöscht werden. Das sogenannte „KFZ-Scannng“ wird stark von Datenschützen kritisiert und die Durchführung machte eine Änderung der geltenden Polizeigesetze notwendig. So gab der Innenminister des Landes Schleswig-Holstein als Gründe für den Einsatz der Video-Überwachung die hohe Mobilität der Verbrecher , die professionellen und gewaltbereiten Vorgehensweisen und die erhöhte Terrorgefahr an. Das KFZ-Scanning ist bundesweit noch nicht geregelt, da im Moment nur 4 Bundesländer ( Bayern, Hessen, Rheinland-Pfals, Schleswig-Holstein) den Einsatz erproben bzw. Gesetzesänderung vorgelegt haben. Die „Mobilen Data Terminals ( MDT)“ , wie in den US-Staaten sind dennoch noch Zukunftsmusik in Deutschland.

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